Vitodura Das Semper-Stadthaus
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Das in den Jahren 1865 bis 1869 von Gottfried Semper (1803–79) erbaute Winterthurer Stadthaus zählt zu den herausragendsten Werken des Historismus und ist zusammen mit der Semper-Oper in Dresden sowie dem ETH-Hauptgebäude in Zürich einer der wichtigsten Bauten des grossen Architekten.

Wesentlicher Bestandteil dieses architektonischen Universalkunstwerks Semper-Stadthaus Winterthur sind die Giebelfiguren. Sie setzen dem mit allen architektonischen Mitteln herausgehobenen Mitteltrakt die Krone auf.

Semper, überzeugter Demokrat, der 1849 an der Märzrevolution in Dresden teilnahm und dafür das Land verlassen musste, ging es um die Glorifizierung der souveränen Bürgergemeinde: Auf dem Sockel, in welchem sich das Stadtarchiv befindet, thront der als griechischer Tempel gestaltete Versammlungssaal der städtischen Legislative, die über eine imposante Freitreppe zum Heiligtum der Demokratie geleitet und von einem eindrücklichen Portikus und einem ebenso wuchtigen Portal empfangen wird. Die städtische Verwaltung (Exekutive) wird auf die beiden links und rechts angegliederten Seitenflügel verwiesen, die durch kleinere Seiteneingänge betreten werden.

Über den Südgiebel setzt Semper eine Vitodura genannte antike Nemesis, die mit der Mauerkrone auf dem Haupt als Göttin der Gerechtigkeit und Schutzherrin der Stadt gekennzeichnet ist. Ihr Pendant über dem Nordgiebel ist eine Statue der Pallas Athene, der Göttin der Weisheit. Flankiert werden beide Figuren von Eck-Akroterien in der Gestalt von Greifen (geflügelten Löwen), die Weisheit und Gerechtigkeit beschützen.

Die Vitodura wurde 1868 nach einem Modell von Bildhauer Robert Dorer aus Baden durch Ludwig Keiser aus Zürich ausgeführt. Dieser realisiert nach den Entwürfen von Sempers Sohn Manfred auch die Greifen. Die Pallas Athene stammt aus der Werkstatt des Schaffhauser Bildhauers Johann Jakob Oechslin, der dafür einen Gipsabguss der Athena Giustiniani aus der päpstlichen Sammlung im Vatikan kopierte.

Alle sechs Figuren wurden 1869 kurz vor Vollendung des Bauwerks aufgestellt. Der verwendete Schleitheimer Sandstein erwies sich in der wetterexponierten Situation allerdings als ungeeignetes Material. 1914 wurde der Beschluss gefasst, die Figuren in Kunststein vollständig neu zu erstellen, ein Vorhaben, das insbesondere Kunstvereinspräsident und Architekt Robert Rittmeyer in einem Gutachten forderte. 1915 wurden die Figuren aus Sicherheitsgründen entfernt und bei der umstrittenen Erweiterung des Stadthauses 1932–34 aufgrund finanzieller Überlegungen nicht mehr ersetzt.

Am 23. Oktober 2005 wird die von zwei Greifen bewachte 2,65 Meter grosse Vitodura dank der Initiative des Fördervereins Semper-Stadthaus Winterthur, mit Spendengeldern finanziert, wieder auf dem Südgiebel errichtet. Das neue Wahrzeichen der Stadt ist aus dem solidem Bollinger Sandstein vom oberen Zürichsee gefertigt und durch den Winterthurer Bildhauer Gregor Frehner ausgeführt.

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